Der Australian Shepherd

Über das Wesen des Aussies wurden viele Bücher geschrieben. Ich kann nur dazu raten, sich gründlich zu informieren, bevor man sich einen solchen Hund anschafft.

Buchempfehlungen:
Pelz, Ilse (1997): Australian Shepherd. Intelligenz auf vier Pfoten.
Örtel + Spörer, Reutlingen, ISBN 3-88627-237-0
Seidel, Angela (1999): Australian Shepherd. Charakter, Erziehung, Gesundheit.
Cadmos, Lüneburg, ISBN 3-86127-702-6

Hier ein paar eigene Erfahrungen aus dem Leben mit unserer Aussie-Hündin Gipsy:

Als wir uns für einen Hund entschieden hatten, hielten wir nach einer Rasse Ausschau, die zu uns passen würde. Ich hatte als Jugendliche schon einige gute Erfahrungen mit einem Collie gesammelt und interessierte mich deshalb für eine Rasse, die dem Langhaar Collie ähnelte, aber nicht ganz so groß sein und möglichst nicht so viel Fell haben sollte.
Daher kamen wir auf den Australian Shepherd.

Der Aussie, wie Liebhaber ihn nennen, wurde immer wieder als Hund beschrieben, der viel Beschäftigung braucht und gefordert werden will. Dabei war mir nicht sofort klar, was damit gemeint war. Deshalb telefonierte ich mit vielen Aussie-Besitzern und erkundigte mich nach ihren Erfahrungen mit dem Aussie. Die meisten Hundebesitzer waren begeistert, lediglich eine Besitzerin riet mir ab. Nach einigem Abwägen entschlossen wir uns, einen „Aussie“ in unserer Familie „aufzunehmen“. Erst dann, im Umgang mit „Gipsy“, wie wir sie nannten, verstand ich wirklich, was mit „Beschäftigung“ bzw. „will gefordert werden“ gemeint war. Lesen Sie selbst:

Der Aussie ist sehr agil. Selbst nach einem Spaziergang hat man nicht unbedingt das Gefühl, dass er wirklich ausgepowert ist. Das heißt aber nicht, dass er unentwegt beschäftigt werden muss. Manche Aussie-Besitzer unternehmen anfangs sogar zu viel mit ihrem Hund, weil er halt als Powerpaket beschrieben wird. Dadurch wird seine aktive Neigung jedoch nur noch verstärkt.

Nach einiger Zeit mit Gipsy lernte ich, dass sie sich meinem Lebensrhythmus anpassen muss und nicht umgekehrt. Das heißt für meinen heutigen Alltag konkret: Ich gehe mit ihr raus, wenn ich Zeit habe. Auch die Dauer der Spaziergänge richtet sich nach meiner Zeit. Manchmal ist es nur eine halbe Stunde, dafür ein anderes Mal eine 1,5 Stunden. Außerdem trägt jeder in unserer Familie seinen Teil dazu bei, dass Gipsy genug beschäftigt wird. Und das macht die Sache eigentlich für alle schön - auch für Gipsy. Jedes Familienmitglied hat eigene Vorlieben: Die Kinder spielen gerne mit ihr Fußball, Verstecken oder fahren Inliner. Mein Mann liebt es, mit Gipsy zu joggen, Fahrrad zu fahren oder mit ihr Ball zu spielen und ich gehe gerne walken, 14-tägig auch mal reiten oder einfach nur spazieren. So hat Gipsy jede Menge Abwechslung und ist in den Zeiten, in der wir uns nicht mit ihr beschäftigen, ausgeglichen.

Kündigt sich Besuch an oder greife ich zur Jacke, möchte sie unbedingt dabei sein. Anders als andere Hunde verschwindet sie nach einem Spaziergang nicht stundenlang in ihrem Körbchen, sondern bleibt gerne noch weiter im Mittelpunkt des Familiengeschehens. Aber auch hier hat Gipsy gelernt, dass es Zeiten gibt, in denen sie auch mal in ihrem Körbchen bleiben muss. Das hatte sie schon nach wenigen Wochen gelernt.

Offensichtlich ist ein Australian Shepherd kein Hund, der mit einem kurzen Spaziergang am Tag zufrieden wäre oder ständig allein sein möchte. Er braucht Menschen um sich herum, die fit sind, ihm Beachtung schenken und sich gerne im Freien aufhalten. In die Erziehung empfiehlt sich sehr viel Zeit und Liebe zu investieren. Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt, dass der Hund in der Familie der Rangniedrigste sein muss. Dann wissen alle, wo sie dran sind, und sowohl Hund als auch Mensch fühlen sich wohl.


Hoffentlich haben Sie nun einen besseren Einblick in das Leben mit einem Aussie bekommen. Mein Fazit deshalb: Ich bin begeistert von meinem Hund, mir ist aber bewusst, dass ein Aussie kein Hund für Familie Jedermann ist.




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